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verLust

Es ist an einem Samstagabend kurz vor Mitternacht. Ted hat sie um elf Uhr abgesetzt, und sie ist gerade dabei einzuschlafen, befindet sich im Stadium des Abgleitens, in dem das bewußte Denken seine Konturen verliert, als das Telefon läutet. Lily kann es kaum fassen: es ist Will. "Wie hast du meine Nummer rausgekriegt?", fragt sie ihn. Sie ist schwach, wie betäubt von der der soeben verlorenen Entspannung. "Es gibt in ganz Chicago nur eine L. Beach. Das war kein allzu großes Risiko. Lily, ich bin hier. Ich bin in Chicago." "Was tust du denn hier?" "Ich will dich sehen." Einen Moment lang verschläg es ihr die Sprache. " Ich verstehe nicht", sagt sie schließlich."Ich dachte einfach, wenn ich gleich herfahre, dann musst du mich treffen. Ich habe Sandra verlassen, vor zwei Wochen. Ich wollte schon früher anrufen, aber ich habe befürchtet, du sagst, dass du mich nicht sehen willst." "Du hast sie wirklich verlassen?" "Trennung auf Probe. Also, kann ich kommen? Die Adresse weiß ich" "Es ist doch so spät. Ich liege schon im Bett." "Um so besser. Ich habe keine Bleibe." "Mein Portier wird aber Fragen stellen." "Dann sage ich, ich bin dein Vetter Will." "Ich habe nichts zum Frühstücken da. Ich gehe samstags nie einkaufen." Ich will dich doch nur sehen." Wieder schweigt sie. Sie denkt zurück, wie sehr sie ihn damals geliebt hat und wie sehr er ihr weh getan hat mit seiner Unentschlossenheit, seinem unersättlichem Verlangen und seiner Herrschsucht. [...] "Und du hast nicht mal in Erwägung gezogen, dass ich vielleicht einen anderen haben könnte, dass ich mit jemand anderem zusammen bin?" "Ehrlich gesagt, nein, das habe ich nicht bedacht. Bist du das denn?" "Nein."

Es heißt "suche/finde/gehe deinen Weg". Doch was, wenn man sich auf einer Kreuzung befindet, sich für einen Weg entschließt, doch bei näherer Betrachtung eine Schranke wahrnimmt? Was dann? Wenn die dürren Ärmchen es nicht vermögen, die eiserne Kraft der Schicksalsschranke zu überwinden? Ist es klüger auszuharren, hoffend auf ein Wunder? Oder etwa einen anderen, einen neuen Weg zu beschreiten, die unperfekte zweite Wahl?

Und vorallem, wieso weiß keiner die Antworten auf meine Fragen?

24.12.06 01:01
 


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